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Sonntag, 3. August 2014

Erinnerungsbrei

In der Erinnerung vermischen sich die Tage langsam zu einem sandig blauen Brei. Aus den Wellen taucht ab und zu ein gelbes übergrosses Surfboard auf, bevor es vom Weissschaum verschlungen wird. Schmackhafte Ananas und Mangos, dunkelrote Randen, Curries und Fruchtsäfte erscheinen auf lackierten Holztischen. Hilfsbereite lachende dunkelhäutige Menschen. Bonanza und Dog spielende weisse Kinder und Erwachsene.
Jeder Tag saftig und heiss geniessbar. Jeden Tag etwas neues zu Entdecken. Yoga in einer offenen Hütte, rauschendes Meer, kühlender Wind. Die Sinne öffnen sich, zur Totenruhe driftet man davon. Tausende von Libellen schwirren bei Dämmerung. Am Abend tätscht, klöpft und leuchtet es fast wie in der Schweiz.












blue-orange

Nun besassen wir für eine Woche ein eigenes Board. Bei Tagwache brachen wir auf zum Surfpoint. Der Tag versprach heiss zu werden. Das kühle Nass zog nicht nur uns an, die ersten Guides schickten ihre Schüler ins Getöse, rechts, links vor und hinter uns paddelten europäische Surfgenossen um uns herum. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug. 



Zurück im Watermusic spukte die beschlagnamte Küche Nutellabrot, Müsli und Kaffee aus. Unser Siesta-Tag war angebrochen. Heute würde vor allem gechillt werden. Um die Mittagszeit zogen wir mit den anderen an die Baby Bay. Fünf noch keineswegs halbstarke Jungs tobten zusammen im Wasser, die Mädchen paddelten. 



Eine wunderbarer Anblick bot sich uns, als junge orange gekleidete Mönche zum Meer kamen, um zu plantschen. Wie sie wohl ins Wasser stiegen? Ihre Robe war zweigeteilt. Die obere Lage wurde auf dem Boot deponiert, die untere um die Hüften gewickelt. Ab ins 28 Grad warme Nass.




Mittagessen speisten wir im Sitzen, die halbe Arugam Bay Family Crew zusammen. Der Tisch füllte sich bald mit Gläsern und Tellern voll Fruchtsäften, Milchshakes, Currys, Pommes, Knoblauch- und Ingwernudeln.

Freitag, 1. August 2014

Swiss Tuk Tuk Driver

Und der zweite Streich folgt sogleich. Johnson und Atah stiessen unsere Surfboards zum zweiten Mal in die Wellen. Unser Ziel: die Welle selbständig zu erwischen. Unsere Guides platzierten uns am richtigen Ort, lasen die Wellen für uns. Wir paddelten. Atah vollführte zwischendurch Kunststücke mit Noa. 





"Happy Ramalan. Kitchen closed today." Die Küche im Watermusic sollte für die nächsten zwei Tage geschlossen bleiben. Wir waren alle gespannt. Würden wir es ohne die drei freundlichen, hilfsbereiten Heinzelmänner schaffen nicht im Chaos zu versinken? Würden wir es schaffen an die gewünschten Orte gebracht zu werden ohne Farid dem Manager des Tuk Tuks Systems?


Als wir durch's Dorf fuhren war irgend etwas anders. Alle trugen sie neue, wunderschöne farbige Kleidung. Das Muslim Festival hatte begonnen.

Ausgiebig gefrühstückt wurde im Break Point, einem sehr zu empfehlender, meist gut besuchter Treffpunkt. Die freundliche Bedienung war hochschwanger. Sie verriet uns, dass sie auch einen Jungen bekomme und seit sie es wisse, überall nur noch Jungs sehe. Ich konnte mich noch gut daran erinnern, mir ging es selbst genau so. Sah nur noch kleine Babies. Das ist nun anders. Jetzt seh ich nur noch Felsen und Bouldersteine. 


Wollten wir die erste Welle erwischen am Morgen, brauchten wir ein eigenes Board. Beim Banana Surfshop mieteten wir eines. Für heute war nur noch einkaufen und ausruhen angesagt. Das war immerhin der Plan. 



5 Minuten. Wir stürmten ins Cabana, zogen die Badeshorts über, fletschten Sonnencreme auf die nass geschwitzte Haut, packten unser Board. Der Swiss Tuk Tuk Driver wartete schon auf uns. Das konnten wir uns doch nicht entgehen lassen. Er steuerte uns sicher über rucklige Sandstrassen, fand gar den Weg zum Pottuvil Point. 




Uns erwartete eine Menschenmenge in bunt glitzerden Kleidern. Der erste Festivaltag. Ein Spatziergang zum Meer mit der ganzen Familie, vielleicht noch einen Elefanten sichten, den Sonnenuntergang geniessen, oder lieber Fotos mit Sheilina schiessen? Die jüngeren Töchter einer netten Familie konnten nicht genug davon bekommen. Mich faszinierten ihre mit Henna bemalten Hände, die schönen Kleider, ihre pulsierende Freude. Radisha, Fahida, Aschid, Dahinda. Namen, Gesichter, Lachen.







Beim Nachtessen waren wir mal wieder auf uns gestellt. Wir versuchten es im Restaurant Riptide. Es sah nicht ganz so hip aus, dafür nickten mir  zwei Blondschöpfe energisch zu, nachdem ich mich durch Handgefuchtel nach der Schmackhaftigkeit des Essens erkundigte. Muschelspaghetti, Gemüsereis und Eiscafe mundeten uns, dem Hund am Nebentisch ebenfalls.


Donnerstag, 31. Juli 2014

Hanuman-Laguren

Tagwache kurz nach sechs Uhr. Surf-Shirt, Shorts an, Sonnencreme aufgespachtelt. Wasserbottle aufgefüllt, Hut auf. Das Tuk Tuk mit unseren Boards auf dem Dach brachte uns vorbei an schimmernden Pfauen zum Elefant Rock, dem perfekten Anfänger Spot. Der Sand brannte heiss unter unseren Flip-Flops. Ueber den grossen Felsen geklettert erreichten wir das Meer, das Surfboard wegen seiner Grösse auf unserem Kopf tragend. 




Atah, unser Surfguide, erklärte uns wie wir auf dem Board zu liegen haben. Füsse aufgestellt, Knie hoch. Oberkörper angehoben und mit einem Schwung aufgestanden. Paddel, paddel, up! Paddel, paddel up! Bis jeder von uns den Dreh raus hatte. Ab ins Wasser. Schafften wir es nach drei Versuchen nicht aufzustehen, müssten wir wieder an Land trockenüben gehen. Amael und ich schafften es auf Anhieb. Rian surfte nach zwei Versuchen bereits wie ein Weltmeister. Auf den grossen Boards mit genügend Anschub, den perfekten Wellen, fanden wir es gar nicht so schwer. Welle nach Welle schossen wir nach vorne. Spass total. Die Zeit verging wie im Flug, um zehn kamen bereits die nächsten Surfschüler. 




Zurück im Watermusic bestellten wir ein königliches Frühstück. Müsli mit Mangos, Ananas, Passionsfrucht, Bananen, Wassermelonen und Papayas und Pancake mit Kokusnuss und Banane, dazu ein feiner Milchtee. Nach einer ausgiebigen Siesta gingen wir uns in den Wellen austoben. 


Zwei Taxis brachten den ganzen Clan von 18 Personen nach Okanda. Der Weg führte über die Hauptstrasse, später fuhren wir auf einem Naturweg ins Naturschutzgebiet von Yala. Auf dem Weg sahen wir Wasserbüffel, eine Hirschkuh und Affen, jede Menge Affen. 


Wir erwarteten ein grossen Fest mit Markständen und jede Menge Tempelbesucher. Stattdessen erlebten wir einen ruhigen Abend. Das mehrere Tage dauernde Fest würde erst übermorgen beginnen. 








Auf dem Felsen verfolgten wir eine Hindu-Zeremonie, genossen die Aussicht bis auf's Meer. Auf dem Rückweg zu unseren Schuhen, alle liefen sie barfuss über den Felsen, sahen wir eine Gruppe von Hanuman-Laguren aus der Familie der Schlankaffen. Es war eine grosse Gruppe mit Weibchen und Jungen. Die silbergrauen Hulmane, wie man sie auch nennt, leben in Gruppen von 15-40 Tieren. Oft gibt es pro Harem nur ein Männchen. Die männlichen Jungtiere werden nach der Entwöhnung der Mutter aus der Herde verstossen und bilden eine eigene Männergruppe mit einer ausgeprägten Rangordnung. Der ranghöchste der Junggesellengruppe vertreibt im Durchschnitt alle zwei Jahre das männliche Oberhaupt eines Harems. Oft tötet er alle noch gesäugten Jungtiere, um dadurch seine eigene Fortpflanzung zu erhöhen. 









Auf dem Weg zum farbenfrohen Hindutempel begegneten mehreren Hindufamilien. Ein Vater zeigte uns voller Stolz seine zahlreichen Töchter. 










Zurück in Arugam Bay verteilten wir uns auf drei Restaurants. Halb ausgehungert warteten wir im Thailändischen Siam View ungeduldig auf's Essen. Live Music dröhnte uns voll. Nach einer Stunde kam der letzte Wassermelonensaft. Vom Essen noch keine Spur. Vor lauter Hunger fehlten uns die Worte. Wahrscheinlich hatten wir auch noch zu wenig bestellt. Zeit zum darüber grübeln blieb uns genug. Das Essen war klasse. Sowiso. Man hätte mir zu diesem Zeitpunkt alles hinstellen können.